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Warum ich Lehrer bin

Die Redaktion der Zeitschrift KLASSE hat sich mit Lehrern getroffen, die ihre ganz persönliche Geschichte auf dem Weg zum Lehrerberuf erzählen:

Der Oberschullehrer

»Man muss mindestens einmal in jeder Unterrichtsstunde mit den Kindern herzhaft lachen können.«

»Man muss mindestens einmal in jeder Unterrichtsstunde mit den Kindern herzhaft lachen können.«

Die Einladung zu einer Hochzeit erfüllt Jens Peter beruflich mit Stolz. Denn Jens Peter ist Lehrer und die Einladung kommt von einem ehemaligen Schüler. »So etwas zeigt mir immer, dass ich nicht nur Fachvermittler bin, sondern ihnen auch etwas für das Leben mitgebe.« An der Oberschule Dippoldiswalde unterrichtet der 44-Jährige Informatik und Technik / Computer.

Er fährt jeden Tag gern zur Schule. Für die Schüler sei er wohl der »höflich Korrekte«. Doch für etwas mehr als nur korrekt halten sie den engagierten Frühaufsteher schon: Immerhin wurde er auch dieses Jahr von der Schülerschaft zum Vertrauenslehrer gewählt. »Ich hoffe, dass ich für die Schüler ein Lehrer bin, der respektvoll und fair mit ihnen umgeht und auch bei Problemen ein offenes Ohr hat.« Aber er stellt im Unterricht auch klare Anforderungen an seine Schüler. Dabei vergisst er nie, dass er nicht nur Pauker, sondern Mensch für die Schüler sein möchte.

Die Lehramtsanwärterin

"Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir keinen besseren Beruf vorstellen."

"Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir keinen besseren Beruf vorstellen."

„Anfänglich habe ich Soziologie studiert und im Grundstudium gemerkt, dass die theoretische Ausrichtung weniger meine Erwartung erfüllte. Es war zwar interessant, aber ich hatte keine Vorstellung von mir in diesem Beruf“, erinnert sich Stephanie Schiemenz. Neben ihrem Studium arbeitete sie oft in Ferienlagern und betreute regelmäßig zwei Grundschulkinder bei den Hausaufgaben. „Die Arbeit mit den Kindern machte mir großen Spaß und ich dachte, warum werde ich nicht Grundschullehrerin?“

2003 wechselte sie ihr Fach an der TU Dresden zu Lehramt Grundschule und studierte ab diesem Zeitpunkt Grundschuldidaktik und Ethik/Philosophie. Seit fast zwei Jahren ist sie nun Referendarin an der 32. Grundschule in Dresden und ist im Begriff bald eine „richtige“ Lehrerin zu werden. Auf die Frage, ob sie den Wechsel bereue, antwortet sie mit einem klaren „Nein! Rückblickend bin ich froh über meine Entscheidung.“

Der Referendar

„Als Anfänger macht man eben Fehler. Ich nehme die Dinge mit Humor und versuche die Ratschläge meiner Mentorinnen umzusetzen.“

„Als Anfänger macht man eben Fehler. Ich nehme die Dinge mit Humor und versuche die Ratschläge meiner Mentorinnen umzusetzen.“

In der Theorie ist vieles möglich. Das merkt auch der Referendar Jörn Seifert nur zu gut. „Wenn ich vor 27 Schülern stehe und sie für den aktuellen Unterrichtsstoff begeistern möchte, ist das dann nicht mehr so einfach, wie einem an der Uni erzählt wird.“

Seit fast einem Jahr ist er Referendar für Englisch und Geschichte am Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium in Niesky. Er sieht sich in diesem Beruf und hat hohe Ansprüche an seine eigene Tätigkeit. Er will nicht nur plump den Stoff vermitteln, sondern Schülern ein gewisses Gespür für die Inhalte geben. Das funktioniert nicht immer und einige Stunden verlaufen nicht so, wie er es geplant hat, aber er sieht das gelassen. 

Für die Zukunft im Lehrerberuf wünscht er sich „mit den gegebenen Möglichkeiten, professionellen Unterricht zu halten, zwar unter Zeitdruck, aber ohne innerlich aufgewiegelt zu werden.“

Die Förderschullehrerin

»Unsere Kinder zeigen sehr viel Gefühl und sind sensibler als andere Schüler. Den Umgang mit den Kindern und den Lehrerberuf an sich muss man im Blut haben, mehr noch, ihn leben.«

»Unsere Kinder zeigen sehr viel Gefühl und sind sensibler als andere Schüler. Den Umgang mit den Kindern und den Lehrerberuf an sich muss man im Blut haben, mehr noch, ihn leben.«

»FRAU GEMEINER!!!« ruft es von einer Ecke des Supermarktes zur anderen. Martina Gemeiner lacht, wenn sie davon erzählt, wie ihre Schüler ihr manchmal in freier Wildbahn begegnen. Seit gut 15 Jahren arbeitet sie am Förderzentrum »Käthe Kollwitz« Freiberg mit Kindern von der ersten bis zur zehnten Klasse. Der Unterricht verlangt ihr dabei jede Minute ihre ungeteilte Aufmerksamkeit ab. In ihrem Arbeitsalltag versucht sie für sich die richtige Mischung aus Konsequenz und Nähe zu finden. »Auf der einen Seite muss ich schon streng sein, aber auch mal ein Belohnungs-Eis für die Klasse muss drin sein.« Private Sorgen und schulische Probleme versucht sie so gut wie möglich voneinander zu trennen. So strikt jedoch, dass sich die Vollblutlehrerin in ihr nicht über ein liebes »FRAU GEMEINER!!!« im Supermarkt freuen würde, ist diese Trennung natürlich nicht.

Der Schulleiter

»Ich habe die Entscheidung, Lehrer zu werden, nie bereut. Von der ersten Stunde an trete ich gern vor die Kinder und das mache ich heute noch mit genauso viel Herzblut wie vor 30 Jahren.«

»Ich habe die Entscheidung, Lehrer zu werden, nie bereut. Von der ersten Stunde an trete ich gern vor die Kinder und das mache ich heute noch mit genauso viel Herzblut wie vor 30 Jahren.«

Armin Bartz ist Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Wilthen. Sein Lehrerberuf ist Berufung. Als Mathematik- und Physiklehrer ist sein Enthusiasmus auch die beste Voraussetzung. Seit 1995 unterrichtet er ausschließlich Mathematik, seine »fachliche Schokoladenseite«, wie er selbst sagt. Mathematik geht für ihn dabei über den Satz des Pythagoras oder Kurvendiskussionen hinaus. »Das Entscheidende ist für mich, dass dort Dinge ausgebildet werden, die jeder im Leben braucht: logisches Denken, sich Problemen zu stellen und nicht davonzulaufen, aber auch Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.«

Das Wesentliche am Lehrerberuf ist für Armin Bartz die bewusste Entscheidung, immer mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten. »Ich versuche als älter werdender Lehrer, im Herzen jung zu bleiben und mir das Verständnis für die Jugend zu bewahren.«

Die Schulleiterin

»Es ist ein tolles Gefühl, den Lebensweg eines Menschen ein Stück mitgestaltet zu haben.«

»Es ist ein tolles Gefühl, den Lebensweg eines Menschen ein Stück mitgestaltet zu haben.«

»Mit Grundschülern zu arbeiten, ist unglaublich. Es kommt auch mal vor, dass man spontan im Schulhaus umarmt wird mit dem Satz: ‚Schön, dass du da bist’«, erzählt Cornelia Köhler, Schulleiterin der Grundschule Kirschau. Die Frau mit dem strahlenden Gesicht ist seit 35 Jahren Grundschullehrerin und hat noch keinen Tag bereut. Seit 1985 arbeitet sie in der Kirschauer Grundschule.

Frau Köhler und ihre neun Kolleginnen schaffen sich dabei immer neue Herausforderungen. Seit acht Jahren ist die Grundschule Kirschau Stützpunktschule für Kinder mit Sprachauffälligkeiten. »Ich habe großes Glück mit unserem Team, sie sind offen für alles, haben viele Ideen und ich bin wirklich stolz, mit solchen tollen Kolleginnen zusammenzuarbeiten.« Teilweise kommen nun ehemalige Schüler mit eigenen Kindern in die Grundschule.

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Bild: Lehrer werden in Sachsen

© Sächsisches Staatsministerium für Kultus